Vergessen in der Garage (Teil I)

In Biedenkopf schlummerte jahre- gar jahrzehntelang ein ungeborgener Schatz: Ein Wartburg 311 von 1959. Die IFA-Freunde Oberhessen, genauer Peter und Olli, machten sich auf, um den alten Zeitzeugen wieder auf die Straße zu bringen. Es war ein langer Weg, auf dem wir aber viel gelernt und auch viel geflucht haben. Dies ist die Geschichte vom Wiederauferstehen eines vergessenen 311ers.

Im August 2016 entschloss sich Olli gezielt nach einem Wartburg 311 oder 312 zu suchen. Wie der Zufall so wollte, fand er noch am selben Abend eine Anzeige eines Verkäufers aus Biedenkopf. Allerdings stand der Wartburg ohne Vorderachse und halb zerlegt in der Garage. Der Besitzer hatte sich den Wartburg kurz nach der Wende mitgebracht, um ihn zusammen mit einem Freund zu zerlegen und neu aufzubauen. Allerdings zog sein Kumpel weiter weg, so verwaiste die angefangene Restauration gute 25 Jahre in der Garage des Vaters. Übrig blieben die Karosse, die Vorderachse und der komplette Motor zerlegt in feuchten Kartons, alle Teile sauber beschriftet in ca. 150 Verschlussbeutel - dies sollte uns die Sache etwas erleichtern und auch erschweren. Dazu mehr an späterer Stelle.

Die originale Anzeige bei eBay-Kleinanzeigen

 

Man wurde sich schließlich einig. Nun musste der Wartburg noch zu Peter gebracht werden, dies stellte sich allerdings als schwierig heraus, so stand der Wagen aufgebockt in der Garage ohne Vorderachse. Während Olli mit dem Verkäufer den Kaufvertrag ausfertigte, konnte Peter die Vorderachse behelfsmäßig zusammenstecken, sodass der Wartburg rollbar war. So kam er auf den Hänger und damit auf den Weg von Biedenkopf nach Wetterfeld.

Geschafft! Der Wartburg ist verladen...

Angekommen nach einer zweiten Tour, um die ganzen Teile zu holen, zog man schon mal ein erstes Fazit: Alles, was man zum Motor- und Achsenzusammenbau brauchte befand sich sauber beschriftet in Zip-Beuteln, bis auf die kleinste Schraube. Verschleißteile wie Bremsen, Hauptbremszylinder und Gummis waren stattdessen noch zu besorgen. Dabei half Wartburg Besitzer Jürgen aus Feldatal und auch diverse Online-Shops. Die Karosserie war in einem lädierten, aber originalen und vor allem rostfreien Zustand. Die Innenausstattung war zwar patiniert, aber nicht kaputt. Im Armaturenbrett hatte man mal die Öffnung vergrößert, aber sonst gab es keine nennenswerten Schäden.

Originalzustand

Innen war nichts kaputt, nur etwas verwohnt

 

Dann ging es nach und nach an die Technik. Die Bremsanlage musste komplett revidiert werden, dabei stellte sich das Einstellen der einzelnen Bremsbacken per Hand als absolut nervenaufreibend heraus. Eine Exzentermutter drückt mit einem Stift die Bremsbacken nach außen. Sehr schwierig, wenn man so etwas noch nie machen musste. Letztendlich bremst der Warti so, wie er sollte.

 

So sah jede der vier Bremsen aus

 

Ein anderes großes Problem sollte sich noch herauskristallisieren. Einer der Vorbesitzer hat einen selbstgebauten elektrischen Wärmetauscher mit Motor unter die Haube verpflanzt und dabei ein riesengroßes Loch in der Spritzwand hinterlassen. Die Motorhaube wurde zu diesem Zweck auch "fachmännisch" durchlöchert. Das Zuschweißen der "Rallye Haube" stellte sich als viel zu aufwändig dar, sodass Peter ein neues Blech einschweißte. Es musste ein originaler Heizungskasten mit Wärmetauscher her. Wartburg-Kenner wissen, dass es dieses Teil so gut wie nicht mehr gibt. Man hatte jedoch Glück und konnte das Teil auftreiben. Nun konnte man Maß nehmen und das Loch in der Spritzwand wieder einigermaßen verschließen. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass der Wärmetauscher dicht war - vorerst!

Die Motorhaube war durchlöchert - für die selbstgebaute Heizung


Peter spachtelt das neue Blech

 

Weiter geht es dann bald mit dem zweiten Teil, ich hoffe das Lesen hat Spaß bereitet.

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